Balgengerät: Die totale Makrofotografie

Für absolute Enthusiasten der Makrofotografie, die den Aufwand nicht scheuen, muss es letztlich ein Balgengerät sein, das alles bietet, was man sich als Liebhaber des Kleinen und Kleinsten wünscht - bis auf Leichtigkeit und Bedienungskomfort. Denn man muss damit eigentlich immer auf Stativ arbeiten, am besten mit einem Einstellschlitten, und die Scharfeinstellung geschieht manuell. Die Belichtung steuert man über die Blende (bei Blendenvorwahl) oder manuell.

An einem Balgengerät können Normalobjektive eingesetzt werden, allerdings sollte das in sog. Retrostellung geschehen. Dabei wird das Objektiv umgekehrt am Balgen montiert. Grund: Ein Nicht-Makro-Objektiv ist so konstruiert, dass es entfernte Objekte gut abbildet. D.h. vorne, an der Frontlinse, ist die Entfernung, die die Lichtstrahlen zurücklegen, groß. Hinten ist die Entfernung zum Sensor viel geringer. - Im extremen Makrobereich, den ein Balgengerät erschließt, ist es genau umgekehrt: Das Motiv ist viel näher am Objektiv als der Sensor. Also montiert man das Objektiv eben umgekehrt. Hierfür eignen sich Weitwinkelbrennweiten am besten, weil sich damit stärkere Vergrößerungen erzielen lassen.

Noch bessere Qualität erzielt man im extremen Makrobereich, wenn man spezielle Objektivköpfe benutzt, wie z.B. Schneider Kreuznach Apo Digitare oder Rodenstock Objektive. Lupenobjektive bilden eine eigene Klasse, mit ihnen lässt sich in Bereiche von 8:1 und gar 15:1 vorstoßen. Ich habe kürzlich ein Leitz Photar 2,5 25 mm erstanden und hier darüber berichtet.


Preiswerter Vorstoß in den extremen Makrobereich: Novoflex Balgengerät mit einem Objektiv in Retrostellung

Als mir neulich beim Stöbern bei Ebay ein Novoflex Balgengerät mit M42 Anschluss unterkam, habe ich es für kleines Geld ersteigert (Abb. 1 und 2).

Ich habe einige Optiken, die ich an den Balgen montieren könnte. Aber ich entschloss mich für das Minolta MC Rokkor PG 1,4 50 mm, das ich schon lange besitze und schätze. Ich setze es adapiert an meinen Olympus OM-D-Kameras ein.

Eigentlich sollte man ja Weitwinkelbrennweiten in Retrostellung einsetzen, um besonders hohe Abbildungsmaßstäbe zu erreichen. Aber, wie das Beispiel zeigt, geht es auch mit einer leichten Telebrennweite ... ich habe zur Zeit kein Weitwinkel-Altglas.

Ich brauchte lediglich noch einen Retro-Adapter auf das 55 mm Filtergewinde des Rokkor, um es umgekehrt an der Vorderseite des Balgens anbringen zu können (Abb. 3).

Und so sieht das Ganze an meiner Olympus OM-D E-M5 II aus (Abb. 4).

Hier ein paar Beispielfotos. Ich habe meinen kleinen Netsuke-Drachen vor der Balgenkonstruktion aufgebaut. Er ist 25 mm hoch (Abb. 5). Und dann bin ich mit der Balgenkonstruktion so nahe heran gefahren, dass ich einen ca. 2,5 mm großen Objektbereich um die Augen erfasste (Abb. 6, verkleinert auf 1.000 Pixel Breite). Der Vergrößerungsfaktor beträgt bei der Sensorhöhe von 12,98 mm mithin ca. 5! Hier (Abb. 7) ein 1000 Pixel breiter 1:1 Crop aus dem Foto.

Obwohl ich im Beispiel ziemlich 'quick and dirty' gearbeitet habe, ist das Ergebnis doch erstaunlich, oder?

Anmerkung: Man muss natürlich kein M42 Balgengerät nehmen. Ich habe es nur deshalb gekauft, weil es sehr günstig war und ich einige M42 Objektive und Adapter besitze. Novoflex bietet die Balgen auch für andere Kameraanschlüsse an ...

 

 

 

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Letzte Aktualisierung: 3.10.2019  -  © Garten-pur GbR