Objektiv-Brennweiten: Tiefenschärfe und räumliche Wirkung

Objektive verschiedener Bildwinkel stellen den Raum unterschiedlich dar. Beim Weitwinkel ist durch den großen Bildwinkel im Hintergrund viel dargestellt. Dabei ist weit Entferntes klein dargestellt, erscheint noch weiter weg, u.U. kaum noch erkennbar.

Bei Teleobjektiven ist Entferntes größer, erscheint näher dran. Ein Tele scheint den Raum zu stauchen. Es ist weniger Hintergrund zu sehen.

Das kann man benutzen, um einen ruhigen Hintergrund für Objekte auszuwählen, die scharf im Vordergund stehen. Bei den Beispielbildern bietet sich die schattige Partie im Hintergrund an, um die Glockenblumenblüten davor zu platzieren:

 

Bei den Beispielbildern habe ich die Aufnahmeentfernung variiert, und zwar so, dass die Blüten immer ungefähr gleich groß im Bild sind. Beim ersten Foto mit dem 36 mm Weitwinkel bin ich ca. 40 cm von den Glockenblumen entfernt, bei dem 75er Tele sind es ca. 60 cm und beim 180er Tele ca. 135 cm. So ist der Abbildungsmaßstab der Glockenblumen auf den drei Fotos nahezu derselbe. Die drei Fotos wurden mit derselben Blende geschossen, um vergleichbar zu sein.

Bei gleichem Abbildungsmaßstab ist die Tiefenschärfe / Schärfentiefe gleich 

Wie man an den links in die Fotos ragenden Gräsern sieht, ist bei den drei Fotos ist die Schärfentiefe der verschiedenen Brennweiten dieselbe. Das liegt daran, dass der Abbildungsmaßstabdes Motivs identisch ist: Mit längeren Brennweiten muss man weiter weg gehen, um die Glockenblumenblüten gleich groß darzustellen. Dadurch verschiebt sich der Bereich der Tiefenschärfe 'nach hinten', und ist so identisch mit dem kürzerer Brennweiten, mit denen man 'näher dran' ist. - Anders verhält es sich, wenn man mit verschiedenen Brennweiten aus derselben Entfernung fotografiert. Dann weisen längere Brennweiten eine geringere Schärfentiefe auf - und natürlich einen kleineren Aufnahmewinkel (siehe z.B. Artikel Schärfentiefe / Tiefenschärfe bei Nahaufnahmen).

Die Raumwirkung der drei Brennweiten

Das 36 mm Weitwinkel zeigt außer den Blüten sehr viel Hintergrund und gibt so einen gewissen Eindruck von der Gartensituation, auch wenn alles außer den Glockenblumen-Büten unscharf ist. Allerdings wirkt der Hintergrund, wenn es denn lediglich um die Glockenblumen geht, vielleicht ein wenig unruhig. 

Das leichte Tele von 75 mm Brennweite konzentriert durch den geringeren Bildwinkel: Im Hintergrund sind nur noch wenige Details zu sehen, das Bild wirkt ruhiger. Und mit dem 180er Tele ist der Hintergrund noch ruhiger (lediglich die Pflanzenteile, die rechts unten wegen des Windes ins Bild gekommen sind, stören ... aber ich habe bei diesem Beispielbild darauf verzichtet, sie in der Nachbearbeitung zu entfernen). - Der unscharfe Liegestuhl links im Bild gibt außerdem einen Maßstab dafür, wie stark die verschiedenen Brennweiten die entfernteren Objekte 'heranholen'.

Diese Beruhigung durch die Telebrennweiten ist lediglich Folge des Bildausschnitts. Denn wie gesagt, wegen desselben Abbildungsmaßstabs bei den drei Fotos ist die Schärfentiefe der verschiedenen Brennweiten dieselbe. 

Es kommt halt darauf an, wie die Gegebenheiten sind, und welche Bildwirkung man erzielen möchte.  

Technische Anmerkungen

Die Fotos wurden mit 1/180 Sek. und Blende 7,1 belichtet (damit die Glockenblumenblüten durchgängig scharf sind). Leichte Unterbelichtung -0,3 LW.

Die Fotos habe ich 'aus der Hand' geschossen, und da es auch noch windig war, sind die Aufnahmewinkel zu den Glockenblumen nicht exakt gleich. Außerdem sind im ersten Foto die ganz nahen Blüten unscharf, weil sie bereits außerhalb des Schärfebereiches des verwendeten Zooms liegen.


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Copyright garten-pur 15.8.2018