Garten-pur Bild: Wassertropfen

Vermehrung der Rhododendren

Rhododendren zu vermehren macht ausgesprochen viel Spaß, kann aber je nach Methode ein recht langwieriger Prozess sein. Die Chance, dass bei der generativen Methode, also durch Aussäen, ein besonderes Prachtexemplar aufgezogen wird, ist recht gering. Meist ist das Ergebnis ein „Na ja", aber wie die Krähe, so liebt auch der Laienzüchter nahezu alle seine Zuchtergebnisse, bis ihn der Platzmangel zu einem schmerzlichen Ausleseprozess zwingt.

Rhododendren lassen sich über Samen ausgesprochen leicht vermehren. Je frischer der Samen ist, desto keimfähiger ist er. Man hat also nach kürzester Zeit eine Unzahl Sämlinge, unter denen man auswählen muss. Ein grausames Schicksal.

Nachstehend die gängigsten Vermehrungsmethoden:

 

a) Aussaat

Die Samenkapseln erntet man möglichst rechtzeitig. Der geeignete Zeitpunkt ist das Vertrocknen des Stempels. Wartet man zu lange, kann es geschehen, dass eine trockene Herbstwitterung die Kapseln aufspringen lässt und der Samen herausrieselt. Welche Kapseln überhaupt keimfähigen Samen enthalten, erkennt man an deren Dicke. Sie sind deutlich größer, voluminöser als die unbefruchteten.

Der Samen wird so bald wie möglich ausgesät. Wenn er aufbewahrt werden soll, dann luftig und dunkel. Die Keimfähigkeit bleibt recht lange erhalten. Sogar mehrere Jahre. Aber die besten Ergebnisse erzielt man, wenn er frisch ist. Je nach Rhododendron-Art sind die Samenkörner recht unterschiedlich groß. Während einige Arten staubfeinen Samen produzieren, können andere (sogenannte „Waldrhododendren") beachtlich großen hervorbringen.

Als Aussaatsubstrat hat sich Rhodohum (Torfsubstrat) mit Sand und Perlite (Mischungsverhältnis 50:20:30) als sehr förderlich erwiesen. In einem Plastik-Zimmergewächshaus, das an heller, aber nicht sonniger Stelle steht, keimt der Samen der meisten Arten schon nach 4-6 Wochen. Stets auf eine milde Feuchtigkeit achten und etwaigen Pilzbefall mit den üblichen Fungiziden bekämpfen. Gießen mit einer Chinosol-Lösung bringt auch gute Erfolge. Die weitere Entwicklung ist recht langwierig. Frühestens nach 1 Jahr kann man pikieren, dann aber durch vorsichtige Düngergaben das Weiterwachsen etwas beschleunigen. Je nach Art bilden sich die ersten Blütenknospen frühestens nach 2 Jahren. Üblich ist allerdings eine deutlich längere Wartezeit. Die Spannung ist dann natürlich sehr groß.

Wer gezielt vermehren oder kreuzen möchte, muss einzelne Blüten in noch nicht erblühtem Zustand mit einer Rasierklinge aufschneiden und die Narbe mit einem Malpinsel bestäuben. Die Pollen (die sich im Kühlschrank gut längere Zeit aufbewahren lassen) hat man zuvor dem gewünschten Kreuzungspartner entnommen. Dann muss über die befruchtete Blüte eine luft- und lichtdurchlässige Haube gestülpt werden (Gaze, Damenstrumpf, Teebeutel u.ä.), damit eine Zweitbestäubung vermieden wird. Bitte jedoch beachten, dass sich lepidote und elepidote Rhododendren nicht kreuzen lassen. Der Experimentierlust sind bei Rhododendren eigentlich kaum Grenzen gesetzt. So kann es sehr lohnenswert sein, hoch wachsende Arten mit zwergig bleibenden zu kreuzen, weiß blühende mit roten, duftende mit duftlosen. Nur, Geduld muss man schon im Übermaß haben.

 

b) Abmoosen

Wer nur klonen will, also ein Duplikat seiner Pflanze wünscht, der sollte abmoosen, absenken oder pfropfen.

Das Abmoosen ist recht einfach: In einem nach oben gerichtetes Zweigende (möglichst vorjährig) wird ein Einschnitt vorgenommen. Nicht zu tief, damit der Zweig nicht bricht. Diesen Einschnitt spreizt man etwas ab und klemmt in den Spalt etwas Spaghnum-Moos. Dann umwickelt man die Schnittstelle großzügig mit feuchtem Spaghnum (etwa im Volumen einer Faust), macht eine Manschette aus schwarzer Kunststoff-Folie und bindet diese Manschette oben und unten mit einem Draht fest an den Zweig. Jetzt heißt es warten. Nach 1-2 Jahren sollten der Schnittstelle Wurzeln  entsprossen sein und den Spaghnumballen durchwachsen haben. Dann kann der Zweig abgetrennt und eingetopft werden. Im darauf folgen Jahr dürfte das Auspflanzen keine Problem darstellen.

Es klingt sehr einfach und ist sehr einfach. Aber leider lassen sich nicht alle Arten gleich gut abmoosen. Und Fehlschläge sind auch nicht selten, wobei diese meist auf das Konto des austrocknenden Spaghnums gehen. Deshalb muss die Manschette von Zeit zu Zeit kontrolliert und das Innere ggf. mit Wassergaben, die man am Zweig herabrinnen lässt stetig feucht, aber nicht nass gehalten werden.

 

c) Absenker

Das Absenken funktioniert eigentlich ähnlich wie das Abmoosen. Nur wird in diesem Fall ein bodennaher Zweig , an dem auch einen Einschnitt vorgenommen wird, der mit einem Steinchen gespreizt werden kann, in ein zuvor bereitetes Torfbett gesenkt, mit einem Stein beschwert, damit er sich nicht wieder aufrichten kann und der Natur überlassen. Auch bei dieser Methode sollen sich am Einschnitt im Laufe der Monate Wurzeln bilden. Hier ist ebenfalls Geduld angesagt, da die Wartezeit 1-2 Jahre beträgt.

 

d) Stecklinge

Einige Arten lassen sich gut durch Stecklinge vermehren. Andere wieder gar nicht. Generell bedarf es dazu gewisser technischer Voraussetzungen, wie Wärmezufuhr (beheizbares Minigewächshaus) und Zusatzlicht (Pflanzenlampen). Sonst ist der Erfolg eher zufällig.

Bei der Stecklingsvermehrung kommt es je nach Art sehr auf den Entnahmezeitpunkt an. Bei einigen im Frühjahr, bei anderen im Sommer, bei wieder anderen im Herbst.

 

e) Pfropfen

Das Pfropfen setzt einige Erfahrungen voraus und vor allem Rhododendron-Jungpflanzen als Unterlage. Das Problem ist allerdings, dass die Arten sehr unterschiedlich auf Unterlagen (meistgebräuchlich ist die Rhododendron-Sorte „Cunningham's White") reagieren. Fehlschläge sind deshalb recht häufig. Als Alternative kommen Rh. fortunei-Jungpflanzen in Betracht. Aber wer hat die schon als Hobby-Gärtner. Auch hier gilt: Nicht alle Wildarten lassen sich überhaupt pfropfen oder profitieren von einer robusteren, wüchsigeren Unterlage.

Das Edelreis und die Unterlage, die eingetopft sein sollte, müssen einen etwa gleich dicken Stammdurchmesser haben. Beide werden angeschrägt, aneinandergedrückt und dann an der Veredelungsstelle mit Bast oder einem elastischen Band umwickelt. Da die Unterlage in einem Topf steht, wird jetzt eine Plastikhaube darüber gestülpt und festgebunden, so dass eine Art Behelfsgewächshaus entsteht. Den Topf stellt man an einem hellen, aber nicht sonnigen und möglichst nicht zu kühlen Ort auf. Innerhalb eines Jahres sollte das Edelreis angewachsen sein.



Letzte Aktualisierung: 20.2.2006  -  © Garten-pur GbR




 

Autor:
Hortulanus
redaktion@garten-pur.de

Datum:
20.2.2006

























 

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