Garten-pur Bild: Wassertropfen

Der Aufbau

Nicht ohne Grund hat man in früheren Zeiten nur Sklaven und Schwerverbrecher in die Steinbrüche geschickt. Wer er eine Wagenladung  Steine vor die Haustüre gekippt bekommt, wird diese Schinderei nachempfinden können. Jetzt besteht die Möglichkeit, die Tragfähigkeit von Familienbanden oder angeblich im Himmel geschlossener Bündnisse zu überprüfen. Die Unentschlossenheit, wie denn der schwerste und womöglich krönende Stein liegen soll - "...nein, bitte etwas mehr drehen und flach legen oder vielleicht eher aufrecht, dann lieber doch seitwärts, jetzt bitte die Unterseite nach oben ..." - macht aus Helfern Heilige oder Affekttäter (Bild 33 Primula recubariensis)

Der zupackende, kurz entschlossene Gärtner könnte sich, um den Zusammenhalt der Familie nicht zu gefährden, deshalb verführt sehen, alle Steine auf einen mehr oder minder steilen Haufen zu werfen, ein paar Säcke Gartenerde darüber zu streuen, die Pflanzen hineinzuquetschen, die Hände abzuklopfen und "fertig" zu rufen. Die ersten, etwas ergiebigeren Regenfälle würden eine Katastrophe auslösen. Denn einerseits soll das Pflanzsubstrat weitgehend durchlässig sein, aber dennoch genügend Wasser speichern und zudem auch noch strukturstabil bleiben. Nichts ist fürchterlicher, als wenn in einem Steingarten permanent die Erde einsackt, weil sie sich in unverfüllte Höhlungen und Nischen verflüchtigt. Es entstehen überall Mini-Erdrutsche und Krater. Um das zu verhindern, muss der Aufbau des Steinhaufens mit Akribie erfolgen.

Aus leidvoller Erfahrung empfehle ich als unterste Lage engmaschigen Hühner- oder Hasendraht mit genügend Überstand, der später, bei Vollendung der Anlage, rundherum hochgebogen werden kann. Denn Wühlmäuse fühlen sich in einem Steinhaufen ausgesprochen wohl, vermehren sich dort überaus freudig und graben kommunikative Gänge. Dafür surfen dann die mühsam eingesetzten Pflänzchen auf den aufgeworfenen Erdwällen. Fallenstellen ist wegen der Steine schier unmöglich.

Als nächster Schritt wird ein Steinkranz gelegt. Der unterste Ring sollte aus den größten Steinen bestehen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Steine stets auf ihrer "faulen" Seite liegen, welche meistens in der breitesten Auflagefläche  besteht. Nichts ist grauenhafter als ein Steingarten mit wackelnden Felsbrocken, die zu betreten Angst und Schrecken einjagen. Selbstverständlich weist die schönere Seite des Steins nach außen. Es ist sinnvoll, das Innere des Rings mit einer 10-15 cm hohen Schicht Kies, Schotter oder Bauschutt zu verfüllen. Denn für die Pflanzen ist es überlebenswichtig,  dass Regengüsse  möglichst schnell versickern können. Hierauf kommt die erste Substratschicht, die mit den Füssen festgestampft wird. Dann folgt der zweite Steinring etwas nach innen versetzt und die nächste Substratverfüllung. Es ist penibel darauf zu achten, dass alle Fugen und Hohlräume ausgefüllt sind, sonst rutscht das Substrat später mit Sicherheit nach. Dadurch werden die Wurzeln von Pflanzen freigelegt und Mäuse oder Ratten angelockt. Hilfreich ist das Einschlämmen des Substrats mit einem Gartenschlauch. Man muss den Wasserstrahl ja nicht so stark aufdrehen, dass er die Erde aus den Höhlungen wieder herausspült  -  nein, gerade so, dass die Spalten sich verfüllen.
 
Wie hoch man den Steinhügel wachsen lässt, ist eine Frage des Geschmacks und der Körperkraft und auch der Stabilität. Die gesamte Konstruktion soll ja dauerhaft gefügt bleiben und nach Möglichkeit weder den Gärtner noch irgendwelche Gartenbesucher durch Steinschlag ins Jenseits befördern. So man nicht einen Mini-Steingarten baut, bei dem alles nur Armeslänge entfernt ist, muss das Gartengebirge begehbar sein. Andernfalls wird die Pflege der Anlage zur Qual oder schier unmöglich.

Die Steine werden so tief in der Substratschicht eingebettet, dass sie nicht wie "aufgesetzt" wirken. In der Natur findet man ja auch nur sehr selten obenauf liegende Steine. Mindestens die Hälfte gehört unter die Erde. Dann haben einige Pflanzen auch die Chance, die Steine überwallen zu können.

 

Weiter geht es im Kapitel: Das Substrat.



Letzte Aktualisierung: 21.8.2016  -  © Garten-pur GbR




 

Autor:
Hortulanus
redaktion@garten-pur.de

Datum:
9.6.2004

Fotos:
Hortulanus

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