Garten-pur Bild: Wassertropfen

Hamamelis Vermehrung

 

Über Vermehrungsarten habe ich mich in dem Buch "Hamamelis und andere Zaubernussgewächse" von Rudolf Dirr informiert. Der Auszug über Aussaaten beruht auf dem Wissensschatz und den allgemeinen Erfahrungen von Knorbs. Vielen Dank für die Unterstützung.

Um rasch verkaufsfähige Pflanzen in großer Anzahl heranziehen zu können, werden Zaubernüsse in Baumschulen fast immer veredelt - meist auf H. virginiana, teilweise auf H. japonica; Hamamelis virginiana soll eine Neigung zur Ausläuferbildung besitzen, deshalb regt Rudolf Dirr die Veredlung auf die Distylium an. Jedoch sind alle Arten dieser Gattung nicht 100%ig winterhart. Sollte es einem Gärtner irgendwann gelungen sein, diese Rarität zu ergattern, wird er sie wohl kaum für Veredlungen "hergeben". Auch muss gesagt werden, dass sich zwar Ausläufer bei H. virginiana bilden können – jedoch ist es nicht die Regel.
Es gibt aber noch weitere Vermehrungsformen, die für den Hobbygärtner durchaus in Betracht kommen.

Im Herbst wird der Samen geerntet. Da reife Samenkapseln in der wärmenden Sonne aufzuspringen und die Samen herauszuschleudern pflegen, muss man bei der Ernte schnell sein, also den Samen noch vor der Vollreife ernten.

 

1. Stratifikationsperiode

Die Samen werden sofort in ein feuchtes humoses Substrat gesät (z.B. in ein Gemisch aus grobem Sand mit Torf oder Aussaaterde). Die wirkungsvollste Stratifikation (= Kalt-Nass-Behandlung) liegt im Temperaturbereich von 2°-8° C , Dirr gibt für Hamamelis jedoch 8°-10° C an. Wenn es die Witterung erlaubt, kann der Aussaattopf im Freiland eingesenkt werden. Besser ist es aber vielleicht, ihn in den Kühlschrank zu stellen und damit Frost zu vermeiden. Dieser wird auch erfahrungsgemäß für Kaltkeimer gar nicht benötigt. Wichtig ist, dass das Substrat nie austrocknet! Im Frühjahr werden die Töpfchen an schattiger Stelle im Freien aufgestellt. Auch hier sollte man darauf achten, dass das Substrat im Verlauf des Sommers nicht austrocknet.

 

2. Stratifikationsperiode

Im folgenden zweiten Winter lässt man lt. Dirr den Topf ordentlich durchfrieren. Nach den Erfahrungen von Knorbs ist es aber effektiver, wenn der Aussaattopf wie in der ersten Stratifikationsperiode bei Temperaturen zwischen 2°-8° C im Kühlschrank aufbewahrt wird. Dies ist die bei Hamamelis notwendige zweite Stratifikationsperiode, also eine erneute Nässe- und Kälteeinwirkung.

Die eigentliche Keimung erfolgt dann im Frühjahr des zweiten Jahres nach der Samenernte. Der Zaubernuss-Samen weist damit eine doppelte Dormanz (Samenruhe) auf, die erst durch die aufeinander folgenden Kalt-Warm-Kalt-Perioden abgebaut werden muss. Nach etwa einem Standjahr kann pikiert werden.

Bei vielen Stauden, deren Samen nur sehr schwer keimen und stratifiziert werden müssen, hat sich nach Erfahrungen von Knorbs noch ein anderes Vorgehen als praktikabel herausgestellt: Der Samen wird noch etwas unreif, kurz vor der Vollreife, geerntet. In diesem Zustand sind die keimungshemmenden Enzyme anscheinend nicht oder noch nicht ausreichend gebildet. Dann sät man direkt aus - zu einer Keimung kommt es häufig noch im gleichen Jahr. Diese Erfahrung wurde allerdings nur bei "normalen" Kältekeimern beobachtet. Das heißt, bei Samen, die nur eine Kühlperiode zur Stratifikation benötigen. Ob dies auch bei doppelt dormanten Samen funktioniert, muss ausprobiert werden. Sollte jemand diese Methode versuchen, würden wir uns über Berichte freuen.

Deutlich schneller geht die Stecklingsvermehrung – entweder im Spätsommer, besser aber noch von vorgetriebenen Mutterpflanzen im Februar. Dabei werden die Sträucher durch entsprechende Temperatur- und Lichtgaben zum vorzeitigen Austreiben angeregt; von diesen verfrühten Trieben schneidet man dann das Stecklingsmaterial. Nötig für die Stecklingsanzucht ist ein beheizbares Gewächshaus mit höherer Luftfeuchtigkeit. Solcherart vermehrte Pflanzen wachsen langsamer und bleiben auch insgesamt kleiner – was in kleineren Gärten kein Nachteil sein muss.

Absenker funktionieren wohl am einfachsten. Geeignete Triebe werden gen Boden gebogen und teilweise mit Erde bedeckt. Ein Anritzen des Holzes an der Kontaktstelle erleichtert die Wurzelbildung.

 

 


Hamamelis - Zauberhafte Nüsse im Garten

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Anmerkungen, Bezugsquellen, Literatur



Letzte Aktualisierung: 1.2.2007  -  © Garten-pur GbR




 

Autor:
macrantha mit der geduldigen Unterstützung von Querkopf und Bernhard
redaktion@garten-pur.de

Foto:
Knorbs

Datum:
1.2.2007

























 

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