Garten-pur Bild: Wassertropfen

Makroobjektive

 

Dieser Artikel befasst sich mit Makroobjektiven für (digitale wie analoge) Spiegelreflex-Kameras (SLR).

 

Nahaufnahme oder Makro?

Wenn man mit der SLR Objekte größer abbilden möchte, geht man näher ans Motiv heran. Gute Normalobjektive oder Standardzoom-Objektive erlauben kürzeste Aufnahmeentfernungen bis hinunter zu 60 oder gar 50 cm Entfernung vom Motiv. Wenn man noch näher heran möchte, um das Motiv noch größer abzubilden, benötigt man ein Makroobjektiv. Alternativen sind Zwischenringe oder ein Balgengerät.

Ein wichtiger Begriff ist der des Abbildungsmaßstabs, der das Verhältnis der Abbildungsgröße zur Originalgröße angibt. Die maximal mögliche Abbildungsgröße ist durch die Kamera vorgegeben: Entweder durch den Film (Kleinbild z.B. 24 mm hoch) oder durch den Sensor (Nikon D 300 z.B. 15,8 mm hoch). Wenn ich ein Objekt von 15,8 mm Höhe (z.B. eine Blüte) formatfüllend auf dem Sensor abbilde, dann ist dies ein Abbildungsmaßstab von 1:1.

Abbildungsmaßstab 1:2 bedeutet, dass das Objekt doppelt so groß ist wie seine Abbildung, und 2:1 bedeutet, dass die Abbildung doppelt so groß ist wie das Objekt.

Normalobjektive und auch Standardzooms kommen meist nicht weiter als ca. 1:7, d.h. das Abbild ist nur 1/7 so groß wie das Objekt. - Makroaufnahmen beginnen ab 1:4, und ein gutes Makroobjektiv sollte einen Abbildungsmaßstab von 1:1 bieten.

 

Beispielfotos und Empfehlungen: Micro-Nikkor 60 mm 

50 bis 60 mm sind Standardbrennweiten der Makrofotografie. An den APS-C bzw. DX-Format-Digitalkameras entspricht ihre Brennweite durch den Verlängerungs- bzw. Cropfaktor optisch ca. 75 bis 90 mm, also einer leichten Telebrennweite. Diese Objektive zeichnen sich durch extreme Schärfe aus. 

Abb. 1 zeigt eine Makroaufnahme einer alten Münze mit einem Durchmesser von 17 mm. Ich bin mit dem 60 mm Mikro-Nikkor Objektiv an einer Nikon D200 so nahe herangegangen, dass die Münze die Bildfläche ausfüllt ... ich habe dabei oben und unten ein paar Millimeter abgeschnitten. Der Abbildungsmaßstab ist mithin nahezu 1:1.

Das Originalfoto ist 3.872 x 2.592 Pixel groß. Während Abb. 1 das komplette Foto auf 751 x 500 Pixel verkleinert zeigt, stellt Abb. 2 einen 751 x 500 Pixel großen Ausschnitt aus dem Originalfoto dar, der nicht verkleinert wurde. Hier wird das einzigartige Auflösungsvermögen des 60 mm Micro-Nikkors erkennbar, das unter den Kleinbild-Makroobjektiven als Referenz angesehen werden kann.

Auch in nicht so extremen Bereichen ist die Abbildungsleistung des 60 mm Micro Nikkors überlegen. Dies demonstriert die Nahaufnahme der Blüte einer Küchenschelle. Die überlegene Schärfe des Makroobjektivs zeigt sich besonders deutlich an den feinen Staubgefäßen, aber auch in den Randpartien der Blüte. - Hier musste auf Stativ gearbeitet und recht stark abgeblendet werden, um eine hinreichende Tiefenschärfe zu erzielen.

Abb. 4, die Verbena-Blüte im Regen, entstand bei schlechtem Licht. Da es auch noch windig war, musste ich eine kurze Verschlusszeit wählen, um die Blüte scharf abbilden zu können: 1/500 Sec, Blende 5.6, ISO 2.000 mit der Nikon D700. Schöne Darstellung der unscharfen Bildpartien.

Für Besitzer einer Nikon dSLR ist das Nikon AF D 60/2.8 Micro-Nikkor Objektiv oder das neue AF-S Micro Nikkor 60mm/2.8 unbedingt zu empfehlen.

Kurz zu den Unterschieden:

Das neue 60 mm AF-S Micro-Nikkor hat Innenfokussierung, d.h. es verlängert sich im Nahbereich nicht. Dafür braucht man aber eine Sonnenblende. Und es hat einen leisen, schnellen Silent Wave-Motor.

Das alte 60er hat keinen eingebauten Motor und kann deshalb an dSLR ohne kameraseitigen AF-Motor nicht im Autofokus-Betrieb verwendet werden. Das muss im Makrobereich kein Nachteil sein, da man oft sowieso besser von Hand fokussiert.

Dafür hat das alte 60er einen Blendenring und kann mit Zwischenringen etc. verwendet werden, das neue nicht. Das ist ein Vorteil des alten 60ers.

Optisch sind wohl beide Spitze. Man hört aber, das neue sei im Randbereich bei offener Blende noch schärfer.

Jedenfalls scheinen die Unterschiede nicht so groß zu sein, dass sich Besitzer des alten 60ers jetzt unbedingt das neue zulegen müssten.

Canon bietet das ebenfalls sehr gute EF-S USM 2,8/60 Macro Objektiv.

 

So ein 60 mm Makro-Objektiv ist also eine gute Wahl - es sei denn, eine längere Brennweite ist erwünscht ...

 

Makros mit längerer Brennweite

Eine mäßige Telebrennweite von um die 105 mm (entspricht an den APS-C oder DX Digitalkameras durch den Verlängerungsfaktor optisch ca. 160 mm) bringt eine geringere Tiefenschärfe mit sich. Das hat den Vorteil, dass man leichter unscharfe Hintergründe erzeugen kann (s. z.B. Artikel 'Brennweiten Raumwirkung'). Für Insektenfotografen außerdem interessant: Durch den größeren Aufnahmeabstand der Tele-Brennweite bleibt man eher außerhalb der Fluchtdistanz, d.h. die Viecher hauen nicht so schnell ab. - Genereller Nachteil aber: Die Verwacklungsgefahr ist stärker als bei Brennweiten um die 50 bis 60 mm. D.h. man braucht gutes Licht oder muss ein Stativ einsetzen.

Das meines Wissens erste Telemakro mit Image Stabilisator ist das AF-S VR Micro Nikkor 105 mm/2.8G IF-ED (nähere Infos hier: 105 mm Makro), das in der Schärfeleistung zwar nicht ganz an das 60 mm Nikkor herankommt, aber immer noch fantastisch ist. Von Canon gibt es ein EF USM 2,8/100 Macro Objektiv (ohne Image Stabilisator).

Noch längere Makro-Brennweiten sind nur bei sehr gutem Licht (bzw. hoher ISO-Zahl) aus der Hand einsetzbar. Am besten verwendet man diese Brennweiten im Nah- und Makrobereich immer mit Stativ. Nikon bietet ein 200 mm/4,0 D AF IF ED Mikro, Canon ein EF-L Macro 3,5/180 CPS Objektiv.

 

Alternativen von Fremdherstellern

Es gibt eine Reihe von Herstellern, die Optiken für Nikon, Canon und andere entwickeln. Diese können durchaus erwägenswerte Alternativen zu den Originalobjektiven sein - allerdings sollte man sich nicht vom meistens deutlich günstigeren Preis alleine beeinflussen lassen. Ich kann aber ein paar Makroobjektive von Tamron und Sigma empfehlen.

Über das gute Sigma 105 mm Makroobjektiv hat Bernhard einen eigenen Artikel verfasst. In einem älteren Thread hatte ich mal Vergleichsfotos von Micro-Nikkor 60 mm und Sigma Makro 105 mm gepostet.

 

Ich kann im längeren Brennweitenbereich noch das Tamron 180 mm Makroobjektiv sehr empfehlen, das ich selbst habe und sehr gerne einsetze.

 



Letzte Aktualisierung: 28.8.2010  -  © Garten-pur GbR




 

Autor:
Thomas
redaktion@garten-pur.de

Letzte Aktualisierung:
28.8.2010

Fotos:
Thomas

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