Garten-pur Bild: Wassertropfen

Die Abhängigkeit der Ackerwildkräuter von den Kulturpflanzen und den Methoden der  Landwirtschaft

Roggen blüht blau (Kornblume) ,Weizen blüht rot (Mohn) , Hafer blüht gelb (Ackersenf, Hederich oder Saatwucherblume) - Alte Bauernregel

Neben heimischen Arten ist ein Großteil der Ackerbegleitflora (Segetalflora) schon in vorgeschichtlicher Zeit mit menschlicher Hilfe aus mediterranen und asiatischen Gegenden eingewandert. Sie hat  über Jahrhunderte die Kulturpflanzen begleitet und sich an die herkömmliche Landbewirtschaftung angepasst, viele von ihnen finden ohne menschliche Einflussnahme in unseren Breiten keinen anderen geeigneten Lebensraum.

Zu Zeiten der Dreifelderwirtschaft erreichte ihre Artenvielfalt ihren Höhepunkt. Seit Einführung der modernen Intensivlandwirtschaft ist ihr Vorkommen stark rückläufig, einige Vertreter stehen heute kurz vor dem Aussterben, dafür breiten sich einige wenige, konkurrenzkräftige Arten aus.

Die Zusammensetzung und Häufigkeit der Ackerflora  ist abhängig von Klima und Bodenbeschaffenheit, zu einem großen Teil aber von den Methoden der Landbewirtschaftung.

In meinem Garten versuche ich, viele heimische Pflanzen anzusiedeln, als Insektenmagnet, Vogelparadies, Arche für seltene Pflanzenarten, zum Freuen an der Schönheit und Vielfalt der Natur. Ackerwildblumen sind farbenfrohe, heitere Vertreter dieser Art und haben deshalb meine Aufmerksamkeit erweckt.

An Beispielen möchte ich hier die wichtigsten Gründe für ihren Rückgang beschreiben.

 

Verbesserte Saatgutreinigung

Anfang des 20. Jahrhundert wurde eine verbesserte Saatgutreinigung eingeführt, dies betraf vorwiegend die Saatgutunkräuter.

Die Kornrade (Agrostemma githago) ist ein typisches Beispiel vollständiger Anpassung an vom Menschen geschaffene Bedingungen. Sie hat Kulturpflanzeneigenschaften angenommen, wie geringer Keimverzug und rasche und vollständige Samenreife. Ihre nur kurzlebigen Samen sind auf die jährliche ‚Mit- Aussaat' beim Wintergetreide angewiesen. Durch Selektion haben sie sich im Laufe der Jahrhunderte immer mehr der Größe der Getreidekörner angepasst (früher 2mm, später 3-4 mm).

Die Varietät Agrostemma githago var. linicolum mit kleineren, glatteren Samen ist an den Leinanbau angepasst .

Auch der Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense) hat die gleiche Samengröße wie das Getreide, zusätzlich lebt er als Halbschmarotzer, Saugwurzeln dringen in die Getreidewurzeln ein und entziehen ihnen Wasser und Nährstoffe.

 

Intensivierung der Landwirtschaft

Beginn der Intensivlandwirtschaft ab 1950

Intensive Bodenbearbeitung und tiefes Pflügen hat mehrjährige Unkräuter von den Äckern entfernt oder an den Feldrain verdrängt, wie Ackerminze (Mentha arvensis), Ackerglockenblume (Campanula rapunculoides) und insbesondere Zwiebelgeophyten, wie der Ackergoldstern (Gagea villosa) .

Verstärkte Mineraldüngung begünstigt stickstoffliebende Arten, z.B.  Klettenlabkraut (Galium aparine), Vogelmiere (Stellaria media), Weißer Gänsefuß (Chenopodium album).

Neue leistungsfähige Kultursorten ( alte Landsorten gehen verloren), ihre Pflanzendichte und das hohe Beschattungsvermögen hat zum Rückgang von konkurrenzschwächeren, licht- und wärmeliebenden Arten geführt, wie den Acker-Rittersporn (Consolida regalis).

Die früher übliche einjährige Brache ohne Konkurrenzdruck von Kulturarten und ohne Unkrautregulierung  förderte das Überleben vieler Ackerwildkräuter.

Grenzertragsflächen, wie steinige, nährstoff- oder basenarme Äcker, wurden aus der Nutzung genommen  oder durch Aufkalkung und starke Düngung verändert.

Die Kornblume (Centaurea cyanus) liebt ärmere Böden, insbesondere Roggenfelder, sie ist außerdem empfindlich für Herbizide, konkurrenzschwach und hat eine kurze Keimfähigkeit.

Das Adonisröschen (Adonis aestivalis)wächst auf steinigen, trocken-warmen Äckern.

Der seltene Saathohlzahn (Galeopsis segetum) bevorzugt nährstoffarme, mäßig saure, leicht moorige Sandäcker.

 

Unkrautbekämpfungsmaßnahmen

Die Wildkräuter, die vom Herbst bis zum frühen Frühjahr keimen, sind besonders von den Frühjahrs-Herbizideinsätzen betroffen: Kornblume, Kornrade, Ackerrittersporn, Echter Frauenspiegel, Klatschmohn und das früher sehr weit verbreitete Getreideunkraut Hederich (Raphanus raphanistrum)

Einseitige Maßnahmen des Pflanzenschutzes führen zu einer explosionsartigen Vermehrung bestimmter, schwer zu bekämpfender Unkräuter, die teilweise bereits Herbizidresistenzen entwickelt haben , z.B. Klettenlabkraut (Galium aparine), Vogelmiere (Stellaria media), Lebensdauer der Samen:60 Jahre!, und der Weiße Gänsefuß (Chenopodium album) .

Begünstigt sind Arten mit indifferenten Temperaturansprüchen während der Keimung (Keimverzug). Durch das spätere Auflaufen nach Unkrautregulierungsmaßnahmen können sie sich trotzdem entwickeln. Benachteiligt sind Arten ohne diese Fähigkeit, wie der Echte Frauenspiegel (Legousia speculum-veneris).

Einige haben ihre Variabilität in den Temperaturansprüchen während der Keimung in den letzten Jahrzehnten erweitert, als Beispiel sei der häufige Persische Ehrenpreis (Veronica persica) genannt.

 

Aufgabe bestimmter Kulturarten

Die heute seltenen Kulturen, wie Linsen, Buchweizen, Kohlrüben, Emmer, Dinkel, Lein und Hirse haben ihre spezifischen Wildkrautbegleiter, die, je nachdem wie hoch ihre Spezialisierung ist, weiter bestehen oder allmählich verschwinden.

Die Spezialisten für Lein oder Flachs  sind Leinlolch (Lolium remotum), Gezähnter Leindotter (Camelina alyssum), Flachsleinkraut (Silene linicola) und Flachs-Seide (Cuscuta epilinum).

Als Begleiter für die Hirse gilt das Ackerhellerkraut (Thlaspi arvense), welches sich gut an andere Bedingungen anpassen kann.

 

Schlussbemerkung

Es existieren verschiedene Modellvorhaben für den Erhalt der Begleitflora in Agrarlandschaften. Zu nennen ist der Artenschutz durch extensive Bewirtschaftung von Feldern, die Fruchtfolge mit eingeschalteter Brache, Ackerrandstreifenprogramme (Breitere Ackerrandstreifen ohne Herbizide  und Intensivdüngung)

Eine Voraussetzung ist ein genügend großer Vorrat an lebensfähigen Samen aus der Vergangenheit im Boden, denn nur in Ausnahmefällen sollte das Saatgut aus fremden Populationen stammen.

Gleichzeitig unterstützt dies Insekten, Säugetieren und Vögel, die von einer vielfältigen Ackerflora abhängig sind und darüber hinaus dem Pflanzenschutz dienen.

Der Rückgang gefährdeter Ackerwildkrautarten kann durch Schutzprogramme wahrscheinlich nicht aufgehalten, nur verzögert werden. Ein vielfältiges Natur- und Kulturerbe geht verloren.

Als Begleiter unserer Nutzpflanzen sind sie auch im Rahmen der Arbeit des VEN bemerkens- und schützenswert.

 

Literatur

Martin Hanf, Farbatlas Feldflora, Ulmer Verlag 1990

Claus-Peter Hutter (Hrsg.), Ackerland und Siedlungen, Weitbrecht Verlag 1999

Joachim Pötsch, Unkraut oder Wildpflanze?, Urania Verlag 1991

Flora und Fauna der Äcker und Weinberge, Hrsg.: Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen, Schriftenreihe Heft 5



Letzte Aktualisierung: 17.3.2006  -  © Garten-pur GbR




 

Autor: 
Susanne Goroll 
redaktion@garten-pur.de

Datum:
17.3.2006

Foto:
Susanne Goroll

 

























 

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