Garten-pur Bild: Wassertropfen

Hinweis auf die Gefahren der Gentechnik

Das Samenarchiv äußert sich in seinen Veröffentlichungen nicht technikfeindlich. Es will auch nicht wie so viele in die Kerbe schlagen, dass der Genuss gentechnisch veränderter Lebensmittel größere gesundheitliche Folgen haben könnte als bei solchen aus herkömmlicher Züchtung. Allergien und andere Unverträglichkeiten kommen immer wieder vor und sind bei keinem neuen Lebensmittel auszuschließen.

Etwas problematischer sehen wir die Übertragung pflanzlicher Gene auf Tiere (z. B. Schweine mit Spinat-Genen) und das Problem der Antibiotika-Resistenz. Hier kommen Fragen der Ethik ins Spiel. Auch geht es nicht an, Fakten zu schaffen, ohne dass hinreichend geklärt ist, ob und wie künstlich eingebaute Gene auf andere (Wild-)Pflanzen, Mikroorganismen (im Boden!) sowie auf die gesamte Nahrungskette wirken. Pflanzen im Freilandanbau stehen in einem engen Beziehungsgeflecht mit anderen Lebewesen. Eine kleine Veränderung kann katastrophale Folgen haben, die möglicherweise beim gegenwärtigem Kenntnisstand noch nicht einmal angedacht werden können oder die absichtlich verschwiegen werden. 

Schon eine eingeimpfte Herbizidresistenz wirft unzählige, aufgrund ihrer Komplexität hier nur marginal anzudiskutierender Fragen auf. Nicht nur die Umwelt - und der am Ende der Nahrungskette stehende Mensch - wird weiter belastet und durch Unkrautvernichtungsmittel vermutlich um etliche Kräuter am Feldrand ärmer; es geht doch zuvörderst um Fragen des Zugangs zu Saatgut, aber auch um Fragen der Ethik und insbesondere um die Frage, wer denn eigentlich die Welt beherrscht.

Schon jetzt übertrifft der Umsatz multinationaler Konzerne so manchen Staatshaushalt. Eingriffe ins soziale Netz werden mit der zunehmenden Globalisierung entschuldigt. Zunehmend stellt sich die Frage, wozu wir noch den Staat benötigen, wo doch alles von den Managern der Großkonzerne vorgegeben wird. Das geht so weit, dass selbst eine sozialdemokratisch geführte Regierung einem Manager (von Volkswagen) Sozialgesetzte (Hartz IV) ausarbeiten lässt.

Tendenziell werden in Presse und Politik - wie ich meine, entschieden zu kurzsichtig - nur diskutiert, ob gentechnisch veränderte Nahrungsmittel gesundheitliche Risiken bergen oder ob Antibiotika unwirksam werden könnten. Das aber heißt, das Problem zu verniedlichen. Die Gentechnik zementiert vielmehr die Macht multinationaler Konzerne und wird die meisten Kulturpflanzen zugunsten von Massenwaren rigoros ausrotten.

Vielfach wird sogar so getan, als ob Gentechnik nötig sei, um den Hunger in der Welt zu beseitigen. Mit der Einführung des Terminator-Saatguts (aus diesem Saatgut wachsen Pflanzen, die jedoch nur nicht keimfähige Samen entwickeln) haben die Gentechniker auf perverse Weise bewiesen, dass allein Kommerz der wahre Hintergrund allen "Fortschritts" in der Landwirtschaft ist. Den gleichen Effekt, nämlich eine Monopolstellung mit eingebauter Verhinderung des Nachbaus, hatten bis dato die F1-Hybriden. Bisher haben die Segnungen der Pflanzenzüchter aber nur weitere Not produziert.

Die Gentechnik wird dieses Problem noch verschärfen und soll von einfacheren Lösungen ablenken. So wird in Afrika seit Jahrzehnten (natürlich amerikanischer!) Mais angebaut. Teils glauben afrikanische Bauern sogar, es handle sich um eine einheimische Pflanze. Nun aber wird der Kontinent von immer mehr Dürren heimgesucht und Mais benötigt einmal viel Wasser. Es hat doch keinen Sinn, das Problem marginal durch die teure Züchtung  - oder gentechnische Entwicklung - eines trockenheitsverträglicheren Maises lösen zu wollen: Das afrikanische Gegenstück zum Mais ist die Hirse (z. B. Sorghum-Hirsen). Dieses Getreide kommt nun mal mit wesentlich weniger Wasser aus. Manche Arten fallen sogar in eine Trockenstarre.

Es wäre also schon viel bewirkt, wenn anstatt der Werbung für westliche Hochertragssorten alten, bewährten Pflanzenarten wieder zu ihrem Recht verholfen würde. Es wird immer so getan, als gäbe es nur Mais, Soja und einige weitere Getreidearten, welche die Menschheit ernähren müssten. Tatsächlich aber werden vielleicht 2 Promille (nicht 2 Prozent) aller Nahrungspflanzen überhaupt gehandelt. Der "Rest" wird für den Eigenbedarf angebaut oder gesammelt. Dies gilt es zu fördern. Das wäre auch ökologisch und ökonomisch wesentlich billiger als das Herumdoktern an wenigen Massenprodukten.

Da es aber um Profit geht, liegt multinationalen Konzernen eher daran, möglichst viele Konkurrenten (in diesem Fall auch alternative Nutzpflanzen) auszuschalten und für einige wenige Supersorten zu werben. So lässt sich auf schnelle Art und Weise ein ganzer Planet unterjochen. Verändert (verbessert) werden doch nicht die alten Landsorten afrikanischer und asiatischer Entwicklungsländer, sondern anspruchsvolle Hochertragssorten, die nicht nur hinsichtlich der Beschaffung, sondern auch bezüglich der Pflege unverhältnismäßig kapitalaufwendig sind. Saatgut im Viererpack mit Herbizid, Dünger und Computersoftware zum Kulturablauf direkt vom Chemie-Multi - mit viel Werbung weltweit vertrieben. Das ist schon jetzt Realität. Vielfalt wäre da der Feind Nummer 1. Und wird wirklich mal eine alte Landsorte verbessert, so lassen sich die Chemie-Giganten Rechte eintragen und verlangen für den Nachbau Lizenzgebühren. Selbst Kräuter, die seit Jahrtausenden angebaut und verwendet werden, "gehören" urplötzlich US-amerikanischen Firmen.

Ich meine: Auf Pflanzen darf es keine Patente geben! Sie sind das Erbe unserer Vorfahren und gehören der ganzen Menschheit. Der kostenfreie Nachbau und der freie Handel von Kulturpflanzen muss ein Menschenrecht werden. Es darf auch nicht angehen, dass durch überzogene Agrar-Subventionen ärmeren Staaten der Garaus gemacht wird. Wie soll z. B. Mexiko Mais in die USA liefern, wenn dort der Steuerzahler einheimischen Mais spottbillig macht?

Als weiteres Ziel der Gentechnik wird genannt, Pflanzen gegen Krankheiten (Bakterien, Pilze, Viren) und Schädlingsbefall resistent zu machen, was Insektizide und Fungizide sparen hilft. Nun werden aber Pflanzen von einer Vielzahl von Krankheiten befallen. Und von etlichen Krankheitserregern gibt es eine Vielzahl von Rassen. Die Frage ist, ob es auf volkswirtschaftlicher Ebene und bezüglich der Welternährung überhaupt sinnvoll ist, empfindliche Hochertragssorten mit einer Vielzahl von Resistenzen zu impfen. Die westlichen Industrienationen kämpfen schon jetzt mit Überproduktionen und für Entwicklungsländer wären solche Sorten aufgrund der hohen Folgekosten, z. B. für Dünger und Bewässerung, uninteressant. Zudem bergen sie die Gefahr, dass Bauern in den Entwicklungsländern im Glauben auf einen hohen Ertrag vom alten Prinzip der Risikostreuung (gleichzeitiger Anbau mehrerer Sorten und Arten) abrücken. Wer nur eine Sorte anbaut, kann alles verlieren. Es geht nicht an, die Ärmsten auf unserer Erde in ein Lotteriespiel hineinzuziehen, das mit Verhungern enden kann.

Gerade bei Gemüse kann es zudem sein, dass  konstante Temperaturen erforderlich sind, welche man u. a. nur durch Einsatz von Folientunneln einzuhalten kann. Jeder weiß, wo dieses Material, wenn es einmal porös wird, in den Armenregionen unserer Welt landet - nämlich in der freien Natur! Zu fragen ist auch, ob ein "Befall", z. B. durch Viren, kein Manko, sondern ein sortentypisches Merkmal ist - also sortenspezifische Eigenschaften ausmacht. Schließlich wird auch der Mensch von mehr Fremdorganismen besiedelt (insb. im Darm), als die Zahl seiner Körperzellen ausmacht.

Zeigen denn nicht gerade die alten Landsorten seit Jahrhunderten jene Widerstandskräfte, die den Hochleistungssorten mittels der Gentechnologie erst angeeignet werden sollen? Wie sonst hätten denn unsere Vorfahren überleben können - und das ohne Chemie und Hybridsaatgut! Es ist schon seltsam, die robusten Landsorten, die den Gentechnikern als Ausgangspunkt für ihre Arbeit dienen und weiterhin dienen könnten, werden von transgenen Sorten unwiederbringlich verdrängt. Das Ergebnis wird eine weitere Verarmung unserer jetzt schon mehr als kärglichen Nutzpflanzenvielfalt sein. Mit fatalen Konsequenzen für unsere Ernährung und dem Kampf gegen den Hunger auf der Welt.


Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Direktvermarktern und Gärtnereien

Das Samenarchiv greift jeden Gedanken einer Zusammenarbeit mit anderen Organisationen auf, die sich mit der gleichen Materie beschäftigen. Es bietet allen Erhalter-Organisationen, Betrieben und Privatleuten an, deren Anschriften im alle drei Jahre erscheinenden SORTENBUCH kostenlos zu veröffentlichen. Selbst, wer nur eine Sorte erfolgreich vermehrt und Saatgut davon weitergeben möchte, kann sich eintragen lassen. Gleiches gilt für Firmen, welche samenfeste Sorten (also keine F1-Hybriden) als Saatgut oder als Jungpflanze verkaufen.

Andererseits arbeiten viele Leute mit dem SamenArchiv zusammen, die im SORTENBUCH nicht genannt werden möchten, weil sie z. B. zu viele Anfragen befürchten. Insofern gibt es auch eine "stille Mitarbeit", bei der nur mit dem Archiv getauscht wird. Zahlreiche Selbstversorger, Gärtnereien und Direktvermarkter nutzen diese Chance und kommen auf diesem Wege kostenlos zu Saatgut seltenster Sorten, das anderswo nicht oder nur mit hohem finanziellem Aufwand zu erhalten ist.

Alle Organisationen, die sich mit der Erhaltung von Nutzpflanzen  beschäftigen, stehen vor dem Problem dass der Tauschwille, insbesondere bei jungen Menschen, nachlässt. Die Tendenz geht eher zum Kauf von Früchten und Jungpflanzen. Diese bedauerliche Entwicklung lässt sich nicht leugnen. Sie ist aber auch Ausdruck einer sozialen Isolierung des Einzelnen und einer zunehmenden Verstädterung - Strukturen, welche eine Entfremdung von der Natur, der Kultur und des sozialen Umfelds fördern und anfällig machen für eine künstliche Konsumwelt, in der man für alles bezahlen muss.

Es hat auch keinen Sinn, auf mehr Engagement zu pochen oder diesen Personenkreis gänzlich auszuschließen. Vielmehr sollten kommerzielle Anbauer und Gärtnereien dies als Chance begreifen. Die Massenware in den Gartencentern könnte schneller ausgedient haben als man noch heute glaubt.

Der Markt wandelt sich schnell. Man denke nur, wie aus dem Nichts im Herbst überall Kürbisse angeboten werden. Plötzlich gibt es "Kürbisdörfer" und so mancher Landwirt kann mit 30 und mehr Sorten aufwarten. Gleiches gilt bei Kartoffeln: Auch sie sind nicht mehr langweilig braun, sondern auch rot und blau; teils sogar zweifarbig. Dies ließe sich auch auf alte Gemüsesorten übertragen. So könnten Gärtnereien mit dem Verkauf von Jungpflanzen auch Personen ansprechen, die sich, z. B. aufgrund ihrer beruflichen Einbindung oder aus Zeitmangel, nicht selbst mit der Sortenvermehrung beschäftigen können.



Letzte Aktualisierung: 23.2.2015  -  © Garten-pur GbR




 

Autor:
Gerhard Bohl

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Datum:
20.10.2004 ff.

Fotos:
Simon, Nina, Re-Mark

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